Lachen ist gesund

Forschung

Lachyoga und Gelotologie -
Erkenntnisse zur therapeutischen Wirkung des Lachens

Lachen ist eine körperliche Übung von großem Wert für die Gesundheit. (Aristoteles)

 
Der amerikanische Schlafforscher James K. Walsh hatte schon im Jahre 1928 angenommen, dass die Widerstandskraft des Organismus gegen Krankheit erhöht ist, wenn ein Mensch häufig und regelmäßig lacht. Dies lässt sich durch die Befunde der Lachforschung (Gelotologie, griech. γέλως gélōs „Lachen“) ausdrücklich bestätigen.
 
Zu viel Text? Gleich zum Film: Lachyoga Forschung in Deutschland (Quelle: ZDF infokanal / laughteryoga.org)
 
Dass sich auch die Wissenschaft dem Lachen widmet, ist dennoch relativ neu. Erst in den 70er Jahren fingen vereinzelt Wissenschaftler und Ärzte an, sich mit den therapeutischen Wirkungen des Lachens zu beschäftigen. Später brachten sie Testpersonen zum Lachen und untersuchten deren Blutwerte vor, während und nach dem Lachen. Sie stellten erstaunliche Reaktionen des Immunsystems fest. Lachen schien die Menschen demnach so positiv zu beeinflussen, dass sie mit einer vermehrten Produktion ihrer Abwehrstoffe reagierten. Man konnte die Wirkung des Lachens auf das Immunsystem messen. Die entscheidende Voraussetzung für eine wissenschaftliche Forschung war damit gegeben.
 
Begründer der Gelotologie war der Psychiater William F. Fry. Er forschte 1964 an der Stanford University erstmals über die Auswirkungen des Lachens auf körperliche Vorgänge.
 
Lautes herzhaftes Lachen verbessert und vertieft die Atmung. Die Lungen nehmen vermehrt Sauerstoff auf, der an die Organe weitergeleitet wird. Die Atemmuskulatur wird trainiert und gestärkt. Viele Menschen atmen im Alltag nur noch flach. Besonders ältere Personen, die sich u. U. schlechter bewegen können, trainieren kaum noch Atemmuskulatur, Zwerchfell oder Brustkorb. Lachyoga hilft, diesen Zustand erheblich zu verbessern. Es massiert dazu das Lymphsystem und regt die Durchblutung an.
 
Mittlerweile belegen Studien, dass lachen vor allem gegen chronische Schmerzen wie etwa Rheuma oder auch Verspannungen Wunder wirken kann. Die Skelettmuskulatur wird beim Lachen zunächst angespannt, um sich allmählich zu entspannen. Dies ist für die Schmerzbehandlung von Bedeutung, da viele Schmerzen mit einer anhaltenden Muskelspannung verbunden sind. Paul McGhee, ein Pionier der Lachforschung, fand heraus, dass sich die Schmerzgrenze verschiebt, wenn Versuchspersonen ein lustiges Video ansahen.
Die medizinische Erklärung: Lachen aktiviert Endorphine
 
Lachen aktiviert im Gehirn nachweislich die Endorphinfreisetzung. Diese Botenstoffe setzen eine biochemische Reaktion in Gang. Untersuchungen weisen darauf hin, dass auch Diabetiker vom Lachen profitieren können. Es wurde beobachtet, dass während ausgiebigen Lachens der Blutzuckerspiegel sinkt.
 
Regelmäßig ausgeführt senkt und stabilisiert Lachtraining den Blutdruck. Hier überzeugt eine Untersuchung von Ilona Papousek, Professorin für Neuropsychologie an der Universität Graz. In ihrer Studie hatten Schlaganfallpatienten, die vier Wochen lang Lachyoga trainierten, nachhaltig niedrigere Blutdruckwerte als solche, die wenig lachten.
 
Forschungen des Neuroimmunologen Lee Berk von der Loma Linda University in Kalifornien geben Hinweise, dass während des Lachens die Produktion von körpereigenen Killerzellen deutlich ansteigt. Diese Killerzellen sind maßgeblich an der Bekämpfung von Tumoren beteiligt.
 
Berichte zur Arbeit mit Menschen in Organisationen wie der Parkinson- und Alzheimer-Gesellschaft sowie mit Menschen nach Hirnverletzungen bestätigen nachweislich die positive Wirkung von Lachyoga; so Lotte Mikkelsen von United Mind (UK) in einem Vortrag auf dem Global Laughter Yoga Congress 2017.
 
Glücksboten und Stresskiller

Lachen führt zu einer verstärkten Neurotransmitterausschüttung im Gehirn, darunter Glückshormone wie Serotonin, Dopamin und Oxytocin. Innerhalb kürzester Zeit reduziert Lachen den Anteil an Stress-Hormonen und Stress-Peptiden mit dabei langfristiger Wirkung. „Lachen ist der größte Feind des Stresses“, sagt die Humortherapeutin Erika Kunz. „Freude-Hormone fressen Kampf-Hormone“, propagierte auch schon Vera F. Birkenbihl.

Lachen macht auch fröhlich. Es lockern nicht nur die Körper- und Gesichtsmuskeln, sondern auch die Gedankenmuster. Es kommt zu einer veränderten Sicht der Dinge. Man kann lachen und dabei gleichzeitig trüben Gedanken nachgehen. Mindestens für die Zeit der Durchführung, in der Regel aber darüber hinaus, stellt sich eine gute Stimmung ein. Oft ist es möglich, so eine neue Perspektive zu entwickeln.
 
Die Ausschüttung von Endorphinen durch körperliche Anstrengung kann Glücksempfinden hervorrufen. Diese Wirkung ist medizinisch anerkannt. Lachen trainiert und verbessert nachhaltig die Fähigkeit des Gehirns, Dopamin freizusetzen. Unsere ‚Glücksboten‘ Endorphin und Dopamin geben uns ein tolles Gefühl, wenn wir verliebt sind. Das Gleiche passiert durchs Lachen. Nebenwirkung: Es macht Spaß.

 

Lachen ist gesund, doch Achtung:

Lachyoga ist keine Therapie und kann keine ärztliche Behandlung ersetzen. Es kann zur Vorbeugung und Gesundung beitragen und bei manchen Krankheitsbildern auch zu Linderung verhelfen.
 
Beispielhafte Kontraindikationen sind:
Epilepsie, Leistenbruch, Angina Pectoris, akuter Bandscheibenvorfall, Glaukom, frische Operationen (besonders im Bauch- und Brustraum), fortgeschrittene Erkältungen, grippale Infekte, schwere psychische Störungen. Während einer  Schwangerschaft sollten Sie Ihren Gynäkologen fragen. 
 
Sie tragen bei einem Lachtraining zu jedem Zeitpunkt die Verantwortung für sich selbst. Bitte gehen Sie sorgsam mit sich und Ihrem Körper um! Sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt, wenn Sie Zweifel haben oder sich unsicher fühlen.

 

Kontraindikationen mit Erläuterung für Ärzte und Haftungsausschluss
für Teilnehmer zum Ausdrucken als PDF hier: Download

Lachen auf Rezept gibt es hier (PDF)

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